Gerechtigkeit

Für mehr Gerechtigkeit: Wohlergehen first, Wohlstand second!

Die wachsende Ungerechtig­keit in unserer Gesellschaft macht mir Sorge. Ich bin dankbar, dass wir in einer sozialen Marktwirtschaft leben. Doch diese beginnt umzukippen!

Das Verhältnis von tiefen Löhnen zu hohen Gehältern, geringen zu riesigen Vermögen ist in den letzten 30 Jahren stark auseinandergegangen – trotz Mindestlohn, trotz veröffentlichten Vorstandsgehältern. In D sind nominal seit 1990 die Löhne um 25%, die Vorstandsgehälter um 83%, die der DAX-Vorstände sogar um 224% gestiegen (Quelle: M.Grabka, DIW) .

Dass ein arbeitender Mensch 100- bis 300-mal mehr Geld verdient als ein anderer arbeitender Mensch, finde ich sehr gefährlich für unseren sozialen Zusammenhalt – genauso wie die wachsende Armut und die immer ungleichere Verteilung von Vermögen (siehe auch unser BDK-Beschluss S.1 ).

Dieser Trend fördert Arroganz und Narzissmus auf der einen Seite, Neid und Loser-Gefühle auf der anderen. Alles Gift für eine glückliche Gesellschaft. Auch Gift für unsere soziale Marktwirtschaft, weil jeder nur noch rücksichtslos für sich kämpft. So treiben wir Millionen zu den populistischen Protestparteien. Die USA seien uns eine Mahnung.

Armut und Unzufriedenheit nehmen zu.
Dies wird zu Protestwahlen und irgendwann zu Gewalt.

In den letzten 30 Jahren stagnierten oder sanken Löhne und Gehälter unten und in der Mitte, während oben zugelegt wurde. Das Verhältnis Tiefst- zu Höchstgehalt hat sich in Konzernen von 1:40 auf bis über 1:200 verfünffacht – von Pausen abgesehen (Einführung Mindestlohn in D, Abzockerinitiative in CH). Die Standardabweichung als geeignete Messgrösse in D von 0,45 (1985) auf 0,57 (in 2010). Studien von OECD (Summary in D / in EN), Bertelsmann oder Gewerkschaften belegen dies. Ich bin allerdings kein Sozialexperte und kenne nur einen Bruchteil.

Meiner Meinung nach sendet diese Ungleichheit ungesunde Leistungsanreize in unser Wirtschaftssystem: „Die unten“ sind frustiert und müssen für ihr Überleben hart & viel arbeiten, sind oft „working poor“ mit 2-3  Minijobs. Sie verabschieden sich irgendwann ausgelaugt in die Sozialhilfe. „Die in der Mitte“ kämpfen, sparen, treten nach unten und buckeln nach oben und träumen davon, eines Tages nach oben zu kommen (doch nur 1 von 100 schafft es). Der Rest ist frustriert, kündigt innerlich oder verschabschiedet sich in den Burnout. „Die oben“ sind ein kleiner Kreis, für den das Gehalt längst nur noch Statussymbol ist – es geht mehr um die Frage: wer hat den grösseren … Gehalt? Leistung und Gehalt sind entkoppelt.  Ungesunde Gier statt gesundem Profitstreben. Laut einer US-Studie macht nur bis ca. 60’000 € Jahreseinkommen mehr Verdienen glücklicher. Eine schöne Kabarettsendung zum Thema Ungleichheit hier.

Ungesund für die Wirtschaft, weil falsche Signale und Anreize gesetzt werden. „Unten“ wird gespart, werden 1000ende von Stellen gestrichen, doch „oben“ steigen weiter die Managerlöhne. Konsequenz: Die Produktivität sinkt, innere Kündigungen und Krankheitsausfälle nehmen zu. Bspw. ist bei der Bahn die Instandhaltung stark reduziert worden mit der Folge, dass die Verspätungen durch technische Probleme zugenahmen. Dafür wurde der ehem. CEO Grube 2017 mit einem goldenen 2,3 Mio.  Fallschirm abgelöst. Was für ein Signal an die Mitarbeiter und Millionen von Kunden?

Es geht mir hier um eine gefährliche systemische Schwäche der sozialen Marktwirtschaft, nicht um Neid von Gehaltssummen.  Bisherige Regulierungsversuche wie Veröffentlichungspflichten (bspw. DE, UK) oder mehr Aktionärskontrolle (CH) haben nicht viel genützt. Es braucht eine klare EU-Regelung (ohne Schlupflöcher).

Mein Ziel ist daher, dass EU-weit das Verhältnis von Tiefst- zu Höchstgehalt für Beschäftigte fixiert wird. Dann wirkt es wie ein Einkommenshebel: wenn oben 5% erhöht wird, dann muss auch unten 5% erhöht werden! Umgehungs­­methoden (outsourcing, subcontracting, sonst-was-tricksing) sind dabei generell zu verbieten und zu sanktionieren. Damit legal auch legitim ist.

Siehe dazu auch den ÄA der BAG Wirtschaft und Finanzen zum EU Wahlprogramm.

Auch die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern für gleiche Arbeit muss EU-weit sanktioniert werden.

Mehr Gerechtigkeit in der EU braucht es auch für Vermögens-, Steuer-, Renten-, Arbeitslosen- und Sozialhilfestrukturen – also europaweite Harmonisierung! Das sind Giga-Themen, deren EU-einheitliche Regelung noch Jahrzehnte dauern wird. Doch jede Reise beginnt mit den ersten Schritten. Unsere grüne Partei (siehe BDK-Beschluss E01 2016. S.5ff, BDK-Beschluss S-01 2016, Gerechtigkeitskongress 2016) und unsere grüne EU-Fraktion sind da schon großteils sehr gut am Ball.

Ein gerechtes Europa = eine gesunde Gesellschaft + eine stabile soziale Marktwirtschaft – das ist meine Vision!

Ich werde mit Euch dafür kämpfen, dass unsere soziale Marktwirtschaft in Europa wirklich gelebt wird, dass Einkommen und Vermögen gerechter verteilt werden

Deswegen möchte mich aktiv mit Euch zusammen für mehr Gerechtigkeit in Europa einsetzen – und deswegen fühle ich mich als Christ bei den Grünen zuhause: wir setzen uns für Mensch und Natur ein.

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